Verarbeitung von Reaktionsharzprodukten

Epoxid- und Polyurethanharze werden in zwei aufeinander abgestimmten Komponenten angeliefert und durch intensives Vermischen zur Reaktion gebracht. Harz und Härter reagieren chemisch durch Vernetzung zu mechanisch und chemisch hoch beständigen Endprodukten. Diese sogenannten Flüssigkunststoffe werden als Grundierung, Verlaufsbeschichtung oder Estrichbindemittel eingesetzt. Das Mischen und die Verarbeitung dieser sehr hochwertigen Produkte erfordert besondere Sorgfalt und Fachkenntnisse.

Einfach & sicher zum Ziel

  1. Sicherheit zuerst

    1. Reaktionsharze sind in der Regel kennzeichnungspflichtig und stellen deshalb besondere Forderungen an den Arbeitsschutz. Die Berufsgenossenschaft gibt für die Verarbeitung von Epoxidharzen vor, eine Schutzbrille, langärmlige Kleidung und besondere Handschuhe zu tragen, sowie während der Verarbeitung weder zu essen noch zu rauchen.

  2. fachgerechte Lagerung

    1. Reaktionsharze sollten in einem Temperaturbereich von > 15°C bis 25° C gelagert werden. Kalte Harzkomponenten verhalten sich wie Honig und lassen sich nur noch sehr schwer bzw. unzureichend vermischen. Stehen umgekehrt die Komponenten in sehr warmer Umgebung (Fahrzeug in der Sonne) so kommt es beim Vermischen zu einer sofortigen Reaktion. Die Verarbeitungszeit verkürzt sich dadurch extrem.

  3. erforderliche Dokumente

    1. Neben dem technischen Merkblatt stehen für alle Produkte die DIN EN Sicherheitsdatenblätter zur Verfügung. Diese können auf unserer Internetseite heruntergeladen werden. In ausgedruckter Form sollten diese Dokumente auf der Baustelle vorhanden sein.
  4. Mischen

    1. Zweikomponenten-Reaktionsharze werden in aufeinander abgestimmten Verpackungen geliefert. Das Mischungsverhältnis A : B ist in Gewichtsteilen auf dem Etikett angegeben. Entnahme von Teilmengen nur durch genaues Abwiegen.
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    2. Das verarbeitungsfertige Material wird durch intensives maschinelles Mischen der Komponenten hergestellt. Bei gefärbten und gefüllten Produkten ist die entsprechende Komponente (in der Regel A-Komponente) vorab intensiv aufzurühren.
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    3. Danach wird die B-Komponente (Härter) restlos in die Komponente A entleert und so lange mit einem langsam laufenden Elektrorührer vermischt (z.B. Bohrmaschine mit Rührpaddel), bis die Mischung homogen ist.
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    4. Auch im Rand- und Bodenbereich muss eine vollständige Durchmischung erfolgen. Deshalb ist Umtopfen in eine sauberes Gefäß und nochmaliges Mischen erforderlich.
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    5. Werden dem Reaktionsharz noch Füllstoffe zugegeben, sind diese auf mindestens 15°C vorzutemperieren. Speziell bei vorkonfektionierten Sieblinien sollten wegen möglicher Transportentmischungen ganze Säcke verwendet werden.
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    6. Das frisch angemischte Bindemittel wird bei laufendem Zwangsmischer dem Zuschlag zugegeben und bis zur Homogenität gemischt.
  10. Verarbeitung

    1. Reaktionsharze erzeugen beim Abbindevorgang Wärme. Dadurch kann das angemischte Material im Mischgefäß sehr schnell erhitzen. Deshalb sollte das Reaktionsharz nach dem Mischen zügig ausgegossen und mit dem Zahnrakel (Beschichtung) oder Gummischieber (Grundierung) verteilt werden. 
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    2. Die Grundierung wird mit der Rolle gleichmäßig verteilt. Materialansammlungen sind zu vermeiden. Die noch frische Grundierung wird gleichmäßig mit ca. 1,5 - 2,5 kg/m2 getrocknetem weber.sys Hartquarz 0,7 - 1,2 mm abgesandet.

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    3. Verlaufsbeschichtungen werden mit dem Zahnrakel in der vorgesehenen Schichtdicke aufgezogen und ca. 5 bis 10 Minuten zeitversetzt mit einer Stachelwalze im Kreuzgang entlüftet. An geneigten bzw. senkrechten Flächen kann die Mischung mit Stellmittel standfest eingestellt und mit der Traufel aufgezogen werden.

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    4. Rutschsichere Oberflächen werden durch Einstreuen von Quarzsanden in die noch frische Beschichtung hergestellt. Dabei ist so lange nachzusanden bis kein Bindemittel mehr aufsteigt. Geeignete Sande sind mittelfeine und grobe (z.B. 0,7 - 1,2 mm) Körnungen. Feine Sande (z.B. 0,1-0,4 mm) sind wegen der Gefahr von Schollenbildung nicht geeignet.
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    5. In der Regel am nächsten Tag wird der überschüssige, nicht fest eingebundene Quarzsand entfernt. Ein leichter Zwischenschliff entfernt Kornspitzen und ergibt eine gleichmäßigere Oberfläche. Anschließend sollte die Fläche gut abgesaugt werden.
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    6. Zur Verbesserung der Reinigungsfähigkeit wird eine Kopfrollung aus z.B. weber.tec 796 aufgebracht. Dazu wird das Material auf den Boden gegossen, mit einem Gummischieber mit weicher Lippe verteilt und mit der Rolle nachbearbeitet.

  16. Verarbeitung an senkrechten Flächen

    1. Sollen Wände oder stark geneigte Flächen beschichtet werden, können die ansonsten stark fließfähigen Reaktionsharzbeschichtungen durch Zugabe von Stellmittel pastös bis spachtelfähig eingestellt werden. Je nach gewünschter Konsistenz und Anwendung wird dem Bindemittel zwischen 2 und 8 Gew. -% Stellmittel untergemischt.
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    2. Das thixotrop eingestellte Material kann nun dünnschichtig mit der Rolle oder dickschichtig mit der Traufel aufgebracht werden. Bei mehrfachem Rollauftrag empfiehlt es sich die Zwischenschichten durch Einblasen von feinem Quarzsand 0,1 - 0,5 mm so griffig zu machen, dass die Rolle beim Auftrag nicht durchrutscht. Nebenbei wird dabei die Zwischenschichthaftung erhöht und eine gleichmäßige Auftragsdicke sichergestellt.
  18. Übergang Boden-Wand

    3. Der Übergang von waagerechter zur senkrechten Fläche wird durch Einbau eines Dreieckkeiles oder einer Flaschenhohlkehle aus Epoxidharzmörtel ausgebildet. Die Schenkellänge sollte dabei zwischen 30 und 50 mm liegen. Der Epoxidharzmörtel wird im Mischungsverhältnis 1: 7 Gewichtsteilen aus weber.tec 794 und geeigneter Estrichsieblinie  hergestellt.