Entkopplungssysteme für kritische Untergründe

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Mischuntergründe, gerissene Untergründe, Altbeläge, Untergründe aus Holz, junge Betone – bei der Verlegung von keramischen Belägen gibt es viele kritische Untergründe. Um die geeignete Vorgehensweise zu wählen, ist es wichtig, diese Untergründe zu erkennen und einzuordnen. Eine professionelle Untergrundvorbereitung sowie der Einsatz von leistungsfähigen Ausgleichsschichten und Entkopplungssystemen zählen dazu.

Konfrontation mit nicht tragfähigen Untergründen

Verarbeiter werden bei Baumaßnahmen im Bestand oftmals mit nicht tragfähigen Untergründen konfrontiert. Aufgrund von Untergrundbewegungen oder unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten der Materialien neigt das Verlegegut zu Rissbildung oder zur Abspannung. Eine Verlegung von keramischen Bodenbelägen im Verbund ist darauf meist nicht ohne weiteres möglich. Die Folge sind oft Hohllagen und Fugenausbrüche.

Untergrund braucht ausreichende Eigenfestigkeit

Kritisch eingestuft werden Untergründe in erster Linie aufgrund mangelnder Oberflächenfestigkeit oder unzureichender allgemeiner Festigkeit, Verformbarkeit, thermischer Ausdehnung oder partieller Verformung beziehungsweise aufgrund von Rissen. Ohne ausreichende Eigenfestigkeit des Untergrunds kann die erforderliche Haftzugfestigkeit für die Verklebung der keramischen Beläge nicht erreicht werden. Dies trifft unter anderem auf Estriche zu, die aufgrund einer mangelhaften Zusammensetzung keine ausreichende Kohäsion besitzen, z. B. weil der Bindemittelanteil zu gering ist. Auch Sinterschichten von Anhydrit-Fließestrichen, Reste von Bodenbelagsklebern oder alten Farbanstrichen sind kritisch. Ein weiteres Problem sind Verformungen im Untergrund, die unterschiedliche Ursachen haben können. Am häufigsten sind Schwindverformungen bei zementgebundenen Estrichen oder bei Beton. Verformungen können aber auch auftreten, weil sich der Untergrund beispielsweise aufgrund einer unzureichend tragfähigen Deckenkonstruktion durchbiegt.

Gussasphaltestriche neigen bei Belastungen und Temperaturänderungen zu einer überproportionalen plastischen Verformung. Flächen mit starker Sonneneinstrahlung sind wie beheizte Flächen zu planen. Gussasphaltestriche ab einer Härteklasse von mindestens IC10 eignen sich für die Aufnahme von keramischen Belägen. Da auch diese als kritische Untergründe zu werten sind, muss besonderer Wert auf eine spezielle Untergrundvorbereitung gelegt werden. So sind beispielsweise Bewegungsfugen zwischen Wand und Estrich mit entsprechenden Randstreifen auszubilden. Sie sollten mindestens 10 mm betragen.

Variante 1: Untergrundbehandlung

Mit einer Reihe von Maßnahmen lassen sich kritische Untergründe so vorbereiten, dass auf ihnen trotzdem ein keramischer Belag dauerhaft schadensfrei verlegt werden kann. Die häufigste und einfachste Maßnahme, mangelnde Festigkeit des Untergrundes beziehungsweise der oberflächennahen Zonen zu verbessern, ist eine intensive Untergrundvorbereitung durch Schleifen, Fräsen oder andere abtragende Verfahren. Hierbei werden die Schichten, die eine mangelnde Festigkeit besitzen, vollständig entfernt und intensiv von Staub und allen haftungsmindernden Bestandteilen befreit. Die verbleibenden Reststäube werden durch eine Grundierung gebunden, die in diesen vorbereiteten Untergrund möglichst tief eindringt.

Handelt es sich um einen Gussasphaltestrich, muss dieser vollflächig abgesandet sein. Bei Fehlstellen muss eine Grundierung für nicht saugende Untergründe wie z.B. weber.prim 803 aufgetragen werden. Alternativ können Fehlstellen auch mit einer Reaktionsharzgrundierung inklusive Absandung, beispielsweise weber.prim 807, vorbehandelt werden. Bei Bedarf sollte der Untergrund mit zementgebundenen Bodenverlaufsmassen egalisiert werden. Die anschließende Verlegung der keramischen Beläge erfolgt im Dünnbett. Diese Verbundkonstruktion benötigt in der Regel keine zusätzlichen Entkopplungsschichten.

Variante 2: Dünnentkopplung oder Dünnestriche

Häufig lässt sich jedoch nicht der gesamte Querschnitt der Unterkonstruktion verfestigen. Erforderlich sind hier zusätzliche Maßnahmen wie der Einbau von Entkopplungsschichten, der Einsatz armierter Bodenverlaufsmassen mit selbsttragender Wirkung oder eine Dünnentkopplung, alles Maßnahmen, die den Riss im Unterbau belassen und eine direkte Weiterleitung an den Neubelag verhindern. Diese Möglichkeiten müssen immer auf den Einzelfall und die jeweilige Nutzung abgestimmt werden. Es handelt sich hierbei immer um Sonderkonstruktionen, die entsprechend beraten und vertraglich gesondert vereinbart werden müssen.

 

Dünnestriche

Selbstnivellierende Bodenverlaufsmassen mit hoher Kunststoffvergütung, wie zum Beispiel weber.plan 813-40, besitzen eine sehr hohe Biegezugfestigkeit. Eine Gewebeeinlage verbessert die Belastbarkeit dieser Konstruktionen. Minderfeste Untergründe können so auf einfache Art und Weise durch eine selbsttragende Estrich-Konstruktion überspannt werden, ohne dass Schwindverformungen in den Untergrund übertragen werden. Dies ist bei der Renovierung auf kritischen Untergründen wie Gussasphalt, Holzdielen oder minderfesten Altestrichen besonders wichtig, da die geringe Oberflächenfestigkeit dieser Untergründe beim Auftreten von Schubspannungen zum Haftungsverlust und damit zum Versagen des Verbundsystems führt.

Ein besonderer Vorteil für den Fliesenleger: Das Anmachwasser wird vollständig verbraucht, so dass die Belegreife dieser Systeme für keramische Beläge nicht mehr mittels CM-Messung geprüft werden muss. So lassen sich Bauzeiten genauer planen. Da hydraulisch abbindende Fliesenkleber, zum Beispiel der Flexkleber weber.xerm 859 F, nicht durch Restfeuchte geschädigt werden können, erreichen diese Bodenausgleichsmassen  zudem extrem schnell die Belegreife: Bereits nach einem Tag können Fliesen verlegt werden. Nachteilig ist, dass damit der Konstruktionsaufbau relativ hoch werden kann.

 

Dünnentkopplung

Eine Alternative zum Einsatz von Dünnestrichen ist die Dünnentkopplung mit weber.xerm 844. Dabei handelt es sich um ein extrem flexibles (S2 nach DIN 12004), schnell- und reaktivabbindendes, 2-komponentiges System, das sich als wasserdichte Reaktivabdichtung unter Fliesen und Platten sowie als Fliesenkleber eignet. Beim Plus X Award wurde weber.xerm 844 im September 2015 mit dem Prädikat „Bestes Produkt 2015 / 2016“ in der Kategorie „Bauprodukte“ ausgezeichnet. Das mineralische System kann außerdem verwendet werden, um eine funktionsfähige Entkopplungsschicht zwischen kritischen Untergründen und Fliesen oder Naturstein herzustellen. Dabei unterscheidet man insgesamt drei Leistungsstufen. Durch zusätzliches Einbetten des Armierungsgewebes weber.sys 835 in eine mindestens 1 mm dicke Schicht weber.xerm 844 (Leistungsstufe 2) wird das Verlegegut einfach und sicher von kritischen Untergründen wie beispielsweise Spanplatten oder Holzdielen entkoppelt. Aber auch junge Zement- oder Anhydritestriche oder Mischuntergründe können so früh belegt werden. Bei diesen Untergründen kann das Gewebe weber.sys 835 entfallen (Leistungsstufe 1). Die wasserdichte Zwischenschicht bildet gegenüber feuchteempfindlichen Untergründen zusätzlich eine sichere Barriere, so dass sich das System auch für den Einsatz im Außenbereich eignet.

Variante 3: Entkopplungssystem

Entkopplungssysteme haben sich in den letzten Jahren als die häufigste Maßnahme bei kritischen Untergründen im Innen- und Außenbereich durchgesetzt. Einheitliche Fachregeln für die Anwendungsgrenzen und die Verarbeitung von Entkopplungssystemen existieren zurzeit noch nicht. Sie müssen daher gesondert vereinbart werden.

Wichtig ist, dass das Entkopplungssystem immer mit Blick auf den Oberbelag und die jeweilige Beanspruchung ausgewählt wird. So gibt es Systeme, die fast zu 100 Prozent entkoppeln, das heißt wie eine Trennlage zu bewerten sind. Andere arbeiten mit einer teilweisen oder vollflächigen Verklebung. Die Entkopplung findet im System selbst, durch eine Verformungsmöglichkeit in Längsrichtung statt. Beim Einsatz von Entkopplungssystemen sind insbesondere die Verkehrslasten (Flächenlasten) sowie die Einzellasten zu berücksichtigen. Gerade in höher beanspruchten Bereichen ist die Unterkonstruktion, die Steifigkeit der Entkopplungsschicht und die Dicke und Festigkeit der keramischen Beläge aufeinander abzustimmen. Sehr verformungsfähige Entkopplungssysteme eignen sich bei hohen mechanischen Beanspruchungen nicht.

Sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen werden häufig auch Maßnahmen zur Trittschallreduzierung gefordert. Nur wenige Kombinationslösungen, wie etwa die Trittschalldämm- und Entkopplungsmatte weber.sys 830, bieten bislang die notwendige Verarbeitungssicherheit und Flexibilität für den Einsatz bei unterschiedlichen Untergründen (Leistungsstufe 3). Druckfeste Trittschalldämm- und Entkopplungsplatten, wie zum Beispiel weber.sys 832, eignen sich auch für hohe Verkehrslasten bis zu 5 KN/m².

Um Schallbrücken im Randbereich zu vermeiden, werden Randdämmstreifen aus PE mit einer Schichtdicke größer 10 Millimeter an der Wand fixiert. Das Verlegen der Dämm- und Entkopplungsplatten erfolgt im Verband, Kreuzfugen sind zu vermeiden. Um das Eindringen des Dünnbettmörtels in die Fugenbereiche zu verhindern, werden die Stoßfugen in der Fläche zusätzlich oberflächlich mit einem Klebeband oder alternativ mit weber.xerm 844 verschlossen. Bei der Verwendung als reine Entkopplungsschicht ist dies nicht erforderlich.

weber.xerm 844 auf kritischen Untergründen

Risse im Fliesen- oder Natursteinbelag entstehen oftmals durch Formveränderungen im Untergrund. Untergründe z.B. aus Beton oder Estrich „schwinden“ während des Abbindeprozesses, ebenso wie schwimmende Estriche und Heizestriche. Somit sind Materialien, die sich gegenüber der „starren Fliese“ bei Feuchtigkeits- oder Temperatur- schwankungen relativ stark verändern als kritisch anzusehen. Darunter fallen im besonderem Mischuntergründe sowie Holzuntergründe aus Span- oder Pressplatten aber auch junge Zement- oder Anhydritestriche. Je nach Anforderung und Optimierungsgrad ist eine Entkopplung nach dem Prinzip „Einfach & Sicher“ mit weber.xerm 844 in den einzelnen Leistungsstufen realisierbar:

Leistungsstufe 1

  • Kritischer Untergrund
  • mind. 1 mm Entkopplungsschicht weber.xerm 844
  • Verlegemörtel weber.xerm 844
  • Keramik oder Naturstein
  • Junger Zementestrich
  • Beton > 3 Monate
  • CA-Estriche (Feuchteschutz)

Leistungsstufe 2

  • Kritischer Untergrund
  • mind. 1 mm Entkopplungsschicht weber.xerm 844 und weber.sys 835
  • Verlegemörtel weber.xerm 844
  • Keramik oder Naturstein
  • Spanplatte
  • Holzdielen
  • Mischuntergründe
  • Rissüberlappung

Leistungsstufe 3

  • Kritischer Untergrund
  • Klebemörtel weber.xerm 844
  • Trittschalldämm- und Entkopplungsmatte weber.sys 830
  • Verlegemörtel weber.xerm 844
  • Keramik oder Naturstein

Anwendungstipps

Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Anwendungstipps:

Alle Anwendungstipps finden Sie in unserem Fliesenguide.

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