Schimmel in Feuchträumen vermeiden und bekämpfen

Schöne, moderne Badezimmer

Wand- und Bodenflächen in Duschbereichen sind hohen Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt. Daher benötigen sie besonderen Schutz gegen Durchfeuchtung und damit verbundene Folgeschäden wie Ablagerungen oder Schimmelpilzbefall.

Mangelnde Abdichtung verursacht Bauschäden

Immer wieder begegnet man der Annahme, die Verfugung von Fliesen in Duschbereichen genüge als Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit. Diese Annahme ist falsch, denn mineralische Fugmörtel sind im Höchstfall wasserabweisend. Außerdem wäre das Risiko viel zu groß, diese Aufgabe einzig und allein den Fugen zu überlassen. Um Durchfeuchtungsschäden zu vermeiden, bedarf es einer fachgerecht ausgeführten Flächenabdichtung. Andernfalls ist bei den meisten Konstruktionsarten Schimmelbildung vorprogrammiert.

Hoher pH-Wert schützt vor Schimmel

Schimmelsporen wachsen auf fast allen organischen Nährböden. Seifenreste und Staub dienen ihnen als Nahrung, aber auch organische Baustoffe wie Silikone werden von ihnen mikrobiell zersetzt. Optimale Bedingungen findet Schimmel ab 80 Prozent relativer Luftfeuchte und bei Temperaturen zwischen 20 und 35°C. Daher kommt dem richtigen Lüftungsverhalten in Feuchträumen eine wichtige Bedeutung zu. Aber auch durch die Wahl der verwendeten Baustoffe lässt sich das Schimmelwachstum beeinflussen. Denn je nach pH-Bereich können sie das Wachstum von Schimmel begünstigen oder erschweren. In alkalischen Bereichen finden Schimmelpilze keinen Nährboden.

Zementhaltige Baustoffe als Basis

Zementhaltige Konstruktionsaufbauten sollten, je nach Frequentierungsart, als Untergrund in Feuchträumen erste Wahl sein. Zementestriche oder -putze sowie Kalk-Zement-Kombinationen gelten als feuchtigkeitsunempfindlich und liegen in einem alkalischem pH-Bereich von 11-13. Keramische Fliesen werden bei hohen Temperaturen gebrannt, wobei sämtliche organische Verbindungen ausgetrieben werden und die Resistenz gegen Schimmel erhöht wird. Die zur Verlegung und Verfugung verwendeten Mörtelkombinationen sind im Regelfall ebenfalls zementhaltig und komplettieren somit den resistenten Aufbau.

Feuchträume richtig abdichten

In Ablauf- und Spritzwasserzonen von Dusch- und Badewannen finden sich häufig Schwachstellen, durch die bei unzureichender Abdichtung schnell Wasser in den Baukörper eindringen und zu Durchfeuchtungsschäden führen kann. Besonderer Beachtung bedürfen Eckfugen sowie Bauteile, die Wand- und Bodenkonstruktionen durchdringen, wie beispielsweise Armaturen oder Bodenabläufe. Baustoffhersteller führen spezielle Dichtband-Lösungen, die die Ausführung deutlich erleichtern. So bieten wir beispielsweise vorgefertigte Dichtecken für die Eckausbildung oder spezielle Manschetten für Sanitäranschlüsse an.

Abdichtungen in Feuchträumen der Beanspruchungsklasse A, also ohne drückendes Wasser im Innenbereich, werden standardmäßig als Verbundabdichtung ausgeführt. Das heißt: Die Abdichtung wird im Verbund mit keramischen Belägen auf dem Fliesenuntergrund aufgebracht. Als Richtlinie für die fachgerechte Planung und Ausführung empfehlen sich die ZDB-Merkblätter „Verbundabdichtungen – Hinweise für die Ausführung von Abdichtungen im Verbund mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“. sowie „Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“.

Polymerdispersion in zwei Schichten

Vor dem Auftrag der Abdichtungsschicht sollte der Untergrund grundiert werden. Anschließend wird in den Anschlussbereichen Wand-Wand und Wand-Boden ein elastisches Dichtband, beispielsweise weber.tec 828 DB 75, eingebaut. Dazu bettet der Handwerker das Dichtband in die Feuchtraumabdichtung ein und drückt das überschüssige Material mit Spachtel oder Glätter heraus. Der nun folgende Auftrag der Polymerdispersion, z.B. weber.tec 822, erfolgt mittels Glätter, Pinsel oder einer Lammfellrolle. Nach Trocknung des ersten Auftrags folgt der zweite, so dass die Trockenschichtdicke der Abdichtungsschicht am Schluss mindestens 0,5 Millimeter beträgt.

Verlegung von keramischen Belägen

Für die Fliesenverlegung sollte im Idealfall ein Kleber mit hoher Stand- und Haftzugfestigkeit gewählt werden, beispielsweise der flexible Dünn- und Mittelbettmörtel weber.xerm 858 BlueComfort. Damit wird nun zunächst eine Kontaktschicht aufgespachtelt und sofort danach mit einem Kammspachtel in einem Winkel von 45° bis 60° ein gleichmäßiges Klebebett aufgezogen. Anschließend werden die Fliesen in das frische Mörtelbett eingeschoben und angedrückt, noch bevor die Hautbildung einsetzt. Nach Aushärten des Fliesenklebers kann der gesamte fertige Wand- und Bodenbelag verfugt werden.

Schwachstelle Fuge

Schadhafte, undichte Fugen begünstigen Durchfeuchtungsschäden. Um Rissbildungen infolge von Bauteil- und Temperaturspannungen, Verdunstung oder zu weichen Mörteln zu vermeiden, müssen die Fugenmörtel den Anforderungen entsprechend ausgewählt werden. Es empfiehlt sich, Anschluss und Bewegungsfugen mit elastischen, fungizid eingestellten Materialien wie beispielsweise weber.fug 880 oder weber.fug 881, zu verfugen. Der Einsatz von Primern, erhältlich für saugende oder nicht saugende Untergründe, verbessert die Haftung von Silikonen. Für Wand- und Bodenbeläge verwendet man am besten wasser- und schmutzabweisende Fugenmörtel wie weber.fug 875 F oder weber.fug 877.

Systematische Schimmelsanierung

Wird eine Abdichtung fehlerhaft ausgeführt, gelangt im Laufe der Zeit Wasser in den Untergrund, und es kommt zu Durchfeuchtungsschäden. Diese werden oft erst viel später sichtbar, und zwar in Form von Fleckenbildungen durch Nässe, im weiteren Verlauf möglicherweise von Schimmel. Um Gesundheitsgefährdungen auszuschließen und die Bausubstanz vor weiteren Schäden zu bewahren, muss der Schimmelbefall vollständig bekämpft werden.

Zu einer systematischen Schimmelsanierung gehört immer eine Schadensanalyse. Ist die Ursache für den Schimmelbefall geklärt, muss dieser zunächst vollständig beseitigt werden, bevor mit dem Wiederaufbau begonnen werden kann. Da bei der Schimmelpilzentfernung eine hohe Sporenkonzentration freigesetzt wird, sind entsprechende Arbeitsschutzauflagen unbedingt einzuhalten, um Gesundheitsgefährdungen für Fachhandwerker und Bewohner auszuschließen. Dazu gehört neben dem Mitführen einer persönlichen Schutzausrüstung (PSA) auch die Abschottung größerer Befallsbereiche.

Bekämpfung von Befall

Zur Schimmelbeseitigung werden die befallenen Oberflächen zunächst ganzflächig mit einem Schimmelpilzentferner besprüht. Es sollten möglichst hautverträgliche und biologisch abbaubare Produkte ohne umweltbelastende und gesundheitsgefährdende Wirkstoffe verwendet werden. Der Schimmelpilzentferner weber.san Schimmel Ex basiert beispielsweise auf einer effektiven, mit natürlichen Fruchtsäuren stabilisierten Wirkstofflösung, die auch in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommt. Nach ausreichender Einwirkzeit wird der abgetötete Befall vollständig entfernt. Gleiches gilt für organische Materialien wie lose Fugen, Gipskartonplatten und Tapeten.

Bauliche Konstruktionen in Holz- und Trockenbauweise, wie beispielsweise Gipskartonplatten, sind besonders empfindlich gegen Feuchtigkeit und müssen bei Schimmelbefall komplett rückgebaut werden. Nach Abschluss aller Reinigungs- und Rückbaumaßnahmen sollte der Raum mit einem Sporenvernichter vernebelt werden, um auch die in der Luft verbliebenen Schimmelpilzsporen vollständig zu inaktivieren. Nach etwas zweistündigen Behandlungsmaßnahme und anschließender, gründlicher Lüftung sind die sanierten Bereiche sind sofort wieder begeh- und bewohnbar.

Fazit

Wer aufwändige Sanierungsarbeiten an Feuchträumen verhindern möchte, sollte vorausschauend planen und von Anfang an Wert auf eine fachgerechte Abdichtung legen. Keramische Beläge und Produkte mit einem hohen pH-Wert wirken schimmelpilzhemmend und bieten somit zusätzlichen Schutz. Tritt doch einmal ein Feuchteschaden mit Schimmelbefall auf, müssen die Sporen auf Oberflächen und in der Raumluft gründlich bekämpft und befallene Bauteile rückgebaut werden, ehe man mit dem Wiederaufbau beginnt. Vorschriften zum Arbeitsschutz sind dabei unbedingt einzuhalten.