Was ist eine EPD?

Environmental product declaration (EPD) = Umwelt-Produktdeklaration

Eine EPD ist ein Dokument, in dem die umweltrelevanten Eigenschaften eines bestimmten Produktes in Form von neutralen und objektiven Daten abgebildet werden. Diese Daten decken möglichst alle Auswirkungen ab, die das Produkt auf seine Umwelt haben kann. Dabei wird im Idealfall der gesamte Lebensweg des Produktes berücksichtigt.

Die Daten einer EPD basieren auf realen Produktionszahlen und sind standardisiert. Dies bedeutet, dass keine pauschalen Angaben bei den Daten möglich sind und das die EPDs einer Produktgruppe immer den gleichen Aufbau entsprechend der genormten PCR (product category rule) haben. Durch eine externe Zertifizierung wird die Einhaltung dieser Regeln und die Überprüfung der Daten sichergestellt.

Eine EPD bietet die Grundlage für die Bewertung von Produkten auf Gebäudeebene und ermöglicht eine Vergleichbarkeit der Produkte hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt. Dabei werden alle Lebensstadien eines Produktes auf Basis der Lebenszyklusanalyse betrachtet.

Für wen ist eine EPD?

Eine EPD richtet sich bevorzugt an Fachleute, Planer & Architekten, die auf Basis der Daten eine Gebäudebetrachtung machen müssen, oder Produkte miteinander vergleichen wollen. Sie ist eigentlich nicht für Endkunden gedacht, da die Daten sehr detailliert sind und nicht umfangreich erklärt.

Welche Herausforderungen gibt es?

  • Bei den Daten der EPD gibt es unterschiedliche Referenzmengen, speziell wenn man kg und m² vergleichen muss.
  • Der Vergleich einzelner Parameter ist möglich, jedoch gibt es keine Gewichtung der Werte (CO2 Fußabdruck vs. Recyclingfähigkeit vs. Recyclatanteil...)
  • Produktvergleich noch direkt möglich, wenn jedoch Systeme mit verschiedenen Systemkomponenten miteinander verglichen werden, ist eine Gegenüberstellung oft schwierig
  • Oftmals ist noch eine Umrechnung notwendig, speziell bei Transportkilometern, aber teilweise auch bei Rohdichten oder Dicken
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Wie wird eine EPD erstellt?

Grafik, welche eine Lebenszyklusanalyse mit den Stoffströmen für die Erstellung einer EPD abbildet

Durchführung einer Lebenszyklusanalyse unter Betrachtung aller Stoffströme

Bei der Erstellung einer EPD wird der gesamte Lebenszyklus eines Produkts unter der Betrachtung aller Stoffströme analysiert.
Dies beinhaltet im allgemeinen 5 Phasen:

  • Herstellung der Produkte
  • Errichtung des Gebäudes mit den Produkte
  • Nutzung des Gebäudes
  • Entsorgung der Produkte
  • Wiederverwertung der Produkte

Erstellung einer EPD für Bauprodukte

Für Bauprodukte sind die ersten drei Schritte dominierend, da sie im Anschluss eine nahezu inerte Stellung einnehmen.

Im Rahmen der Rohstoffgewinnung wird der Abbauprozess und der Transport für die Rohstoff EPD betrachtet. Für die Produkt EPD wird zusätzlich noch der Energieaufwand und die Abfallbetrachtung im Rahmen der Produktherstellung herangezogen. Für Systeme aus mehreren Produkten, welche eine Systemzulassung haben, gibt es auch eine System EPD. Aus der Summierung aller EPDs ergibt sich die Gebäudebetrachtung.

Grafik mit dem Prozess für die Erstellung einer EPD für Bauprodukte

Welche Daten liefert eine EPD?

Umfassende Aussagen zu verschiedenen Umweltfaktoren

Eine EPD beinhaltet nicht nur Informationen zum CO2 Fußabdruck, sondern liefert umfassende Aussagen zu den folgenden Umweltfaktoren:

  • Relatives Treibhauspotenzial (GWP): alle CO2- und Treibhausgas-Emissionen während der Herstellung und Nutzung des Produktes
  • Versauerungspotenzial (AP): Saure Gase wie Schwefeldioxid reagieren mit Wasser in der Atmosphäre und führen zur Bildung von "saurem Regen", der dem Ökosystem schaden kann
  • Eutrophierungspotenzial (EP): Gewiss Mengen an Nitraten und/oder Phosphaten im Wasser können mit der Zeit dem Ökosystem schaden
  • Ozonabbaupotenzial (ODP): Gase, die Ozon abbauen schädigen die Ozonschicht
  • Photochemisches Ozonbildungspotenzial (POCP): Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen können Ozon und andere Luftschadstoffe in niedriger Höhe in der Atmosphäre erzeugen, wodurch Smog entsteht
  • Abiotischer Ressourcenverbrauch: Dies bezieht sich auf die Nutzung von seltenen, nicht regenerativen Ressourcen, einschließlich seltener chemischer Elemente (ADPE) und fossiler Brennstoffe (ADPF)
  • Nutzung erneuerbarer Energien: Sowohl bei der Nutzung als Rohstoff als auch bei der Produktion
  • Nutzung nicht-erneuerbaren Energien: Sowohl bei der Nutzung als Rohstoff als auch bei der Produktion
  • Nutzung von Recyclingstoffen: Welcher Anteil der Produkte ist wiederverwendet
  • Nutzung von erneuerbaren und nicht-erneuerbaren sekundären Brennstoffen
  • Wassernutzung: Wie viel Wasser wird bei der Herstellung benötigt, Waschprozess etc.
  • Komponenten & Material für Recycling: Was kann in den Prozess zurückgeführt werden
  • Energierückgewinnung: Kann aus dem Material Energie z.B. durch Verbrennung zurück gewonnen werden?
  • Deponierung von Abfällen: Gibt es giftige oder radioaktive Abfälle?

Wie lese ich eine EPD?

Eine EPD besteht aus sechs Abschnitten, welche unterschiedliche Informationen und Daten beinhalten.
Diese umfassen die Allgemeinen Informationen, die Produktdaten, die Berechnungsvorschriften, Szenarien und weitere technische Informationen der Lebenszyklusanalyse sowie ihre Ergebnisse und die Interpretation.

Aufbau einer EPD

In diesem Bereich befindet sich die Deklarationsnummer, welche zur Dokumentation der EPD benötigt wird. Außerdem werden in diesem Bereich die Referenzmenge, auf die sich in der EPD bezogen wird, und die Gültigkeitsgrenzen aufgeführt.

 

Auszug der Allgemeinen Informationen einer EPD

Die Produktdaten einer EPD umfassen die folgenden Inhalte:

  1. Produktbeschreibung
  2. Produktanwendung
  3. Technische Daten
  4. Anwendungsgrenzen
  5. Art der Anlieferung
  6. Inhaltsstoffe
  7. Herstellung
  8. Umwelt & Gesundheit während Produktion
  9. Produktapplikation
  10. Verpackung
  11. Nutzungseigenschaften
  12. Umwelt & Gesundheit während Applikation
  13. Lebenszeit
  14. Spezielle Effekte
  15. Recycling
  16. Deponierung
  17. Zusätzliche Anmerkungen

Die Beschreibung des Produktes dient der Einordnung in die Produktkategorie-Regeln.
Bei den technischen Daten wird worst-case Ansatz zur Sicherstellung der Daten gewählt.

 

Auszug der Produktbeschreibung einer EPD

Bei den Berechnungsvorschriften für die Lebenszyklusanalyse in einer EPD wird erneut die Referenzmenge aufgeführt, auf welche sich bei der Analyse bezogen wird.

 

Auszug der Berechnungsvorschriften einer EPD

In diesem Abschnitt der EPD werden Angaben zum Lebenszyklus des Bauwerks sowie zu den Transport- und Applikationsparametern gemacht. Hier werden beispielsweise der Kraftstoffverbrauch und die Transportkilometer, die Auslastung der LKW's, der Wasserverbrauch auf der Baustelle und der Materialverbrauch berücksichtigt.

 

Auszug der Szenarien einer EPD

Die Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse stellen den Kern einer EPD dar. Hier werden alle Daten zusammen geführt und es kommt zur Auflösung auf die verschiedenen Produktlebenszeiten. Bei Bauprodukten ist die Produktphase entscheidend, denn dort dominiert das GWP (global warming potential, CO2 Fußabdruck.

 

Auszug der Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse einer EPD

Die Interpretation der Lebenszyklusanalyse bildet den Abschluss der EPD. Im Falle von Verbands-EPDs ist die Interpretation der Daten meist sehr oberflächlich. In diesem Bereich werden keine absoluten Werte aufgeführt, sodass hier ein Vergleich zwischen zwei EPDs nicht zielführend ist.

 

Auszug der Interpretation der Lebenszyklusanalyse einer EPD